Veilchenwurzel statt Plastic

„Ein Huhn legt im Durchschnitt 3 Eier am Tag, manchmal auch mehr als 6. Die Frau des Hirsches heißt Reh. Die Sonne geht im Norden auf und die H-Milch kommt von H-Kühen“. Diese Aussagen stammen aus einer Befragung von 3.000 Kindern der sechsten bis neunten Schuljahre aller Schulformen in 6 Bundesländern. Michael J.Kolodziej, bei dm für das Thema „Nachhaltigkeit“ zuständig, macht mit diesen Beispielen die erschreckende Naturvergessenheit der Kinder heutzutage deutlich. Und wenn Kinder nicht mehr in der Lage sind, Naturzusammenhänge zu begreifen, können Sie diese auch nicht den folgenden Generationen vermitteln und damit die Welt erhalten. „Die Persönlichkeit der Natur ist uns heute abhanden gekommen.“

 

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, keinen Müll in den Wald zu werfen und das Reh in Ruhe zu lassen, sondern sie ist eine vielschichtige Angelegenheit. „Es geht um die Balance zwischen der eigenen Person auf der einen Seite und der Welt auf der anderen Seite. Es geht um meine ganz persönliche Haltung zum Thema Nachhaltigkeit!“ sagt Kolodziej eindringlich. „Ich gehe nicht auf den Flohmarkt, um Geld zu verdienen, sondern um zu sehen, ob ein anderer mit meinem abgelegten Gegenstand noch etwas anfangen kann. Das ist Nachhaltigkeit.“

 

Nachhaltigkeit bedeutet originelle, kreative, passgenaue Lösungen. Dazu braucht es neue Mitarbeiter. Menschen mit Köpfchen und Neugier, die mit Kreuzungen, Sackgassen und Irrwegen zurecht kommen. Und nicht mehr jene „geklonten Fallstudienakrobaten“, die für alles eine Lösung haben. Wir benötigen statt der Fabrik-  heute eine Kreativökonomie, d.h. einen permanenten Standpunkt- und Perspektivwechsel. Voraussetzung dafür ist Selbstvertrauen, Neugier, Abenteuerlust, Streitfreude und Gestaltungswillen. Wir müssen das Bestehende umdenken.

 

Welche Menschen sind es, die die Welt verändert haben? Es sind Leute, die Regeln gebrochen haben. Regelbrecher denken anders. Erfolgsbeispiele dazu sind u.a.: IKEA, Zara, Aldi, C&A. Auch dm bricht klassische Marketingregeln und hat damit Erfolg. Nachhaltige Wertschöpfung findet durch originelle Lösungen statt.

 

Transparenz und dialogische Kultur sind bei dm der Schlüssel zu allem. Dazu wurden drei Grundsätze formuliert:

 

Mitarbeiter-Grundsatz:einander als Menschen zu begegnen und gemeinsam voneinander zu lernen

 

Partner-Grundsatz:Erkennen seines Wesens, Anerkennen seiner Eigentümlichkeiten

 

Kunden-Grundsatz:sich die Probleme der Konsumenten zu Eigen machen; Ziel ist der bewusst einkaufende Stammkunde.

 

 


 

Ein wichtiger Bereich bei dm ist die Entwicklung der Kulturwerte des Unternehmens.

Michael J. Kolodziej erklärt dazu sein symbolisches „Windrad der Nachhaltigkeit“. Hierbei werden die „Flügel“ Ökonomie, Ökologie und Soziales von der „Nabe“ Kultur gehalten. Die Basis, auf der dieses Windrad steht, ist die Bewusstseinsebene („Denke erste und handle dann“). Und auf der Handlungsebene entstehen durch die Mitarbeiter neue, kreative Ansätze. 

 

Dazu werden seit den 1980er Jahren u.a. künstlerische Mittel eingesetzt. Beispielsweise arbeiten „Lernlinge“ in Theaterworkshops (Abenteuer Kulturund die Menschen aus den filialunterstützenden Diensten lernen in der Fähigkeitenwerkstatt jedes Jahr etwas Neues

 

Zum Schluss gibt Michael J. Kolodziej noch die Auflösung des Titels „Veilchenwurzel statt Plastik“: Hierbei geht es um zahnende Babys, denen man statt eines Beißrings aus Plastik alternativ eine Veilchenwurzel zum Kauen gibt.

 

Das Unternehmen dm wurde 1973 von Professor Götz W. Werner gegründet, der die Unternehmensanteile inzwischen in eine Stiftung einbrachte. Heute gibt es in Deutschland 1.185 dm-Filialen mit  22.837 Mitarbeitern. Diese bestimmen das lokale Sortiment, Mitarbeitereinsatzpläne und Einkommensfragen. Der Umsatz stieg 2010 gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent.

 

 (Alle Angaben: Stand 30.09. 2010)